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Hier fassen wir jede Woche jene Spiele zusammen, die wir nicht im LTF Viewers Guide bzw. nicht im Podcast besprochen haben. Damit ihr gleich ein besseres Bild über die jeweiligen Spiele und involvierten Teams bekommt, werden wir unsere Zusammenfassungen anhand eines etwas anderes Prinzips näherbringen. Nun denn, kommen wir zum NFL Spielwochenende Nummer 6, und wer hätte gedacht, dass…

14 JAX vs TEN 16

… Blake Bortles die Jaguars in wirklich jedem Spiel halten kann. Dass die Titans kein Maßstab sind, ist zu vermuten, dennoch war man auswärts gegen einen Divisions-Rivalen einen Titans-Field-Goal-Block vom Sieg entfernt und das trotz eines Rosters mit riesengroßem Talent-Defizit (vor allem im Vergleich mit Tennessee). Es fehlt noch an allen Ecken und Enden (vor allem im Laufspiel, wo weder Toby Gerhart, noch Storm Johnson NFL-tauglich sind) aber die Basis mit Blake Bortles und solidem Coaching ist gelegt. Die Entscheidung, das FG am 3rd down zu kicken, ist vertretbar.

… Charlie Whitehurst sogar gegen die Jaguars der Inbegriff von “Durchschnitt” ist. Gegen eine Defense, gegen die jeder Quarterback bislang seinen Spaß hatte, gerade mal 233 yards ohne TD zu erwerfen, ist eigentlich nicht erwähnenswert. Der Grund für diesen Aufzählungspunkt ist eher ein Zach Mettenberger, der an der Seitenlinie vor sich hinvegetiert, wo er doch am Feld stehen sollte. Man sollte in Tennessee möglichst schnell einsehen, dass 2014 gelaufen ist und nach Bishop Sankey nun einem weiteren Rookie zu mehr Spielzeit verhelfen.

… sich ein QB-armes Team so schnell aus dem Rennen um Marcus Mariota nimmt. Die Raiders sind nun wohl die einzigen Gegenspieler für die Jags. Man darf gespannt sein, wie viele 1st-Round Draft Picks diese Teams für den #1-Pick verlangen bzw. erhalten (vielleicht sogar von den Titans?!). Damit könnte man in Jacksonville (für den von uns vorhergesagten Move nach L.A.) ein starkes Team rund um Blake Bortles aufbauen und in 2 Jahren vielleicht sogar Playoff-Anwärter werden.


17 NYJ vs DEN 31

… aus irgendeinem Grund die Jets fast bis zum Schluss im Spiel bleiben können. Wenn man sich die Statistiken bzw. das Endergebnis ansieht, könnte man tatsächlich denken, die Broncos hätten dieses Spiel dominiert. Dem war aber nicht so. Die erste Halbzeit konnte die Jets die Defense die Broncos Offense auf lediglich 17 Punkten halten. Die Jets hatten gegen Ende des Spiels sogar noch die Möglichkeit auszugleichen, aber Geno Smith zeigte sich wieder von seiner schlechten Seite und warf einen spielentscheidenden Pick-Six. Hier muss man ganz klar wieder Rex Ryan gratulieren, der immer wieder aufs neue beweist, dass man nicht nur gegen andere NFL Teams antritt, sondern auch manchmal den eigenen GM besiegen muss. Seine Gameplans in der Defense sind mittlerweile völlig unabhängig vom verfügbaren Personal geworden und scheinen dennoch ihren Teil beizutragen. Wenn da nicht ein anderes Problem wäre…

… die Jets Offense-Spieler überhaupt in ein NFL Stadion hineingelassen werden. Mal ganz abgesehen von den fragwürdigen Leistungen ihres Quarterbacks, sollte ja das Ground-and-Pound Prinzip nach wie vor gelten, aber folgende Statistiken haben sich tatsächlich so zugetragen: Geno Smith mit 2 Laufversuchen für 11 Yards (und damit Leading Rusher des Teams), “the artist formerly known as CJ2K” mit 3 Versuchen für ganze 9 Yards, Chris Ivory mit den meisten Ballberührungen im Laufspiel, nämlich mit 8 Versuchen für 7 Yards (kein Tippfehler) und zu guter Letzt bekam auch Bilal Powell die Chance zu zeigen, was er (nicht) kann und lief zwei Mal für 4 Yards. Hier soll erneut an den vorigen Absatz verwiesen werden und daran, was für ein Defense-Genie Rex Ryan eigentlich ist. Denn mehr kann man wirklich nicht mehr zu Jets Offense schreiben.

… Ronnie Hillman endlich hält, was sich schon seit einigen Jahren alle von ihm versprechen. Sein erstes 100-Yard Spiel zu haben ist natürlich an sich schon eine gute Leistung, aber dies noch dazu gegen eine Jets Front 7 zu vollbringen, ist mehr als respektabel. Montee Ball wird vermutlich noch für einige Zeit an der Seitenlinie bleiben, und das bedeutet für Ronnie Hillman, dass er sich das Vorrecht auf den Starting Spot für das Ende der Saison und die Playoffs, erspielen kann. Theoretisch sollte es einem RB grundsätzlich möglich sein, genügende Leistungen zu zeigen, falls es ihm aber dennoch nicht gelingt, müssen wohl doch wieder einige Leute ihre Meinung über den Abgang von Knowshon Moreno überdenken.


48 BAL vs TB 17

… Joe Flacco noch “Elite” sein kann. Natürlich können sehr viele Spieler gegen Tampa Bay wie “Elite”-Spieler aussehen, aber die Leistung von Flacco in der ersten Halbzeit war dennoch nicht ohne. Einen tot-geglaubten Torrey Smith zweimal für kurze Touchdowns zu finden und daneben weitere 3 Touchdown-Pässe zu werfen ist schon rekordverdächtig. Die Baltimore Offense kommt langsam in die Gänge und zeigt ein interessantes Bild: Justin Forsett mit 15 Läufen (für 111) und Bernard Pierce mit 14 Läufen für (32), Lorenzo Taliaferro bekam diesmal zwar nur viermal den Ball, konnte aber daraus dennoch Kapital schlagen (47 total Yards). Im Passspiel wird es nicht schaden Torrey Smith öfter den Ball zuzuwerfen, da man nie wissen kann, wie lange ein Steve Smith Sr. noch durchhält. Gerade in diesem Spiel konnten auch WR Bälle fangen, die wahrscheinlich nur im Training dazu kommen würden. Mit Michael Campanero und Kamar Aiken fingen zwei Spieler Touchdowns, die vielleicht gegen Ende der Saison der Ravens Offense auch im Passspiel genug Tiefe verleihen könnten.

… die Buccaneers alle 3 Wochen aussehen wie ein College Team und dementsprechend vom Platz gefegt werden. Wenn man aber von diesen zwei Blowouts absieht, haben die Bucs ihre anderen 3 Spiele lediglich mit insgesamt 14 Punkten verloren. Das zeigt, dass Lovie eigentlich gar nicht so schlecht unterwegs ist. Allerdings kann sich diese Meinung auch schnell wieder ändern, wenn man ihnen bei den Spielen tatsächlich zuschaut. Egal wie der Rest der Saison in Tampa Bay aussieht – vor allem in Woche 9, 12 und 15 (Blowout-Alert!) – Lovie ist in seinem ersten Jahr mit dem Aufbauen seiner Philosophie beschäftigt. In den kommenden Jahren ist definitiv mit ihnen zu rechnen, aber der Weg dorthin wird steinig und schwer.

… ein Unentschieden als Tie-Breaker die Ravens (4 Siege) hinter die Bengals mit 3 Siegen einreiht. Man spielt die Bengals in zwei Wochen erneut und bei diesem Spiel entscheidet sich die Division. Die Ravens gaben sich in Woche 1 gegen sie noch die Blöße, haben aber seit dem eine etwas andere Richtung eingeschlagen. Seit Woche 1 hat die Ravens Defense nie mehr als 21 Punkte erlaubt (23 gegen die Bengals in W1 – seit dem: 6, 21, 10, 20, 17). Die Bengals Defense hingegen, hat einerseits 43 Punkte von den Patriots kassiert und 37 von Cam Newton (und ein paar seiner weniger talentierten Freunde, die auch mitmachen durften). Die AFC North ist bekannt für Defensiv-Schlachten und dank diesem Unentschieden sind die Bengals den Ravens einen Schritt voraus. Wenn sich der Trend der letzten Wochen aber fortsetzt, könnten die Ravens mit dem Division-Sieg zumindest einiges wiedergutmachen.


31 SD vs OAK 28

… Derek Carr in Woche 6 beginnt, Raiders-Rekorde aufzustellen. Es handelt sich hierbei um den Rekord der Passing Touchdowns eines Rookies in einem Spiel. 4 Stück, und das gegen eine sehr gute Chargers-Defense, waren ausreichend, um ein Stück Raiders-Geschichte zu schreiben. Receiver Andre Holmes war Carr’s #1-Passempfänger und zeigte mit 121yds, dass er mehr Talent hat, als Ex-Coach Dennis Allen vermutet hatte. Auch Darren McFadden wurde wieder gesichtet! Ein guter Start in die Tony Sparano-Ära.

… nicht alles Gold, ist, was glänzt. Trotz aller guten Leistungen, wurde das Spiel nämlich verloren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Schwächelnde Defense, viele Drops der Receiver, vor allem in Halbzeit 1; in Halbzeit 2 dann einige Fehler von Derek Carr: Eine Intentional Grounding-Strafe, ein Strip-Sack, der aber aufgrund einer Strafe der Chargers nicht gegolten hat, und die abschließende Interception, die in Double Coverage geworfen wurde. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die in der Dennis Allen-Ära noch gar nicht bis bestenfalls kaum vorhanden war, is aber endlich ein wenig aufgeflackert und man kann Licht am Ende des Tunnels sehen, wenn man will.

… die Offense der Chargers auf dem  Rücken eines UDFA-Rookies funktioniert. Versteht mich nicht falsch, Philip Rivers hatte eine gewohnt solide Partie mit 3 TDs, aber irgendwie war der Rhythmus nicht so, wie er es noch vor einer Woche war. Ohne Laufspiel wäre das Spiel also wahrscheinlich nicht zu gewinnen gewesen; zu gut, dass man Branden Oliver hat, der wahrscheinlich sogar besser spielt, als ein gesunder Ryan Mathews. Welch Glücksgriff, sonst hätte man sich mit einer Niederlage dem Spott der ganzen NFL ausgesetzt.


27 CHI vs ATL 13

… Jay Cutler einmal ein solides, unspektakuläres und fehlerfreies Spiel über die Runden bringt. Der Chicago Bears QB hatte zwar überraschend wenig Zeit in der Pocket, schaffte es aber immer wieder big-plays zu seinen Monster-Receivern zu werfen, und das ohne der normalerweise immerwährenden Gefahr, einen Pick zu produzieren. Die Genesung von Brandon Marshall und Alshon Jeffery, sowie das übliche Pro-Bowl-Auftreten von Matt Forté, hatten wohl einiges zu der Performance beizutragen. Bleibt abzuwarten, ob man dieses Level gegen aggressivere Defenses aufrechterhalten kann.

… die Falcons-Offense, entgegen aller Behauptungen in Hard Knocks, doch nicht so hart ist, wie man glaubt. Falcons-Receiver Julio Jones und Roddy White, sowie TE Levine Toilolo wurden von der überraschend aggressiv spielenden Bears Defense früh und hart gehittet. Dies resultierte im weiteren Verlauf des Spiels in einigen Drops der Receiver, da sie sich auf die herankommenden Gegner, anstatt auf den Ball konzentrierten. Die durch Verletzungssorgen geplagte O-Line der Falcons hatte auch einen mehr als nur mittelschlechten Tag. Ist das möglicherweise ein prototypischer Plan, um die doch sehr potente Offense in Schach zu halten?

… die Bears Defense trotz einiger Verletzungen standhält. Letztes Jahr hatte man nach dem verlust einiger Spieler den Boden unter den Füßen verloren und produzierte die schlechteste Defense-Leistung der Vereinsgeschichte. Als diese Woche die 4 besten Linebacker mit Verletzungen aussetzen mussten (+CB Charles Tillman), befürchteten viele das Schlimmste. Weit gefehlt! Alle 3 Linien der Defense boten die stärkste Leistung der Saison! Willie Young ist möglicherweise die beste Offseason-Verpflichtung der NFL und Kyle Fuller schon jetzt der Favorit für den Titel Defensive Rookie of the Year. Die Zukunft der Bears Defense ist in guten Händen.


30 ARI vs WAS 20

… bei einem Matchup von Carson Palmer gegen Kirk Cousins bzw. Alfred Morris gegen Andre Ellington, das Passspiel mit 82 Versuchen, gegenüber dem Laufspiel mit 40 Versuchen dominiert. Es gab für keines der beiden Teams einen Grund ihre Star-RBs so zu vernachlässigen. Das Spiel war über weite Strecken ausgeglichen, was also bedeutet, dass tatsächlich beide Mannschaften mit einem derartigen passfreudigen Gameplan in das Spiel gekommen sind. Es wird interessant sein, wie lange sich solche Gameplans halten können, speziell wenn man bedenkt, dass Carson Palmer ein Nervenproblem in der Schulter hat und seit Woche 1 pausieren musste.

… Todd Bowles sich so früh als neuer Head Coach Kandidat in Szene setzt. Bowles scheint ein Mann zu sein, der ab der kommenden Saison vielen Franchises weiterhelfen könnte. Er lässt sich und seine Defense nie aus der Ruhe bringen, egal wie sehr sie vom Verletzungspech verfolgt werden. Er schafft es aus einer Gruppe zusammengewürfelter Veterans, eine der am schwersten zu spielenden Units zu machen. Seine Pressure-Packages konnte bisher fast keine Offense der NFL kontrollieren. Die einzige Sorge die man haben sollte, ist dass seine talentierteste Unit, nämlich das Defensive Backfield, bisher weit unter ihren Möglichkeiten spielt. Am Ende wird nämlich dennoch die Leistung der Superstars entscheiden.

… in Washington immer mehr Gerüchte und Nachrichten über den Gesundheitszustand von RG3 hinaussickern. Kirk Cousins ist nicht konstant, aber laut Gameplans liegt es an ihm, Spiele zu entscheiden (siehe oben). Nachdem Jay Gruden auch schon verlautbaren hat lassen, dass RG3 der Starter ist, sobald er zurückkommt, stellt sich die Frage, wie nun Kirk Cousins mental damit umgehen kann. Wenn ihm jetzt schon klar gemacht wurde, dass er keine Chance hat gegen Ende der Saison zu starten, hat er noch genug Motivation zu spielen? Man darf hierbei aber Namen wie Kevin Kolb, oder aktuell Josh McCown nicht vergessen, die sich nette neue Verträge in ähnlichen Situationen erspielt haben.


31 SF vs STL 17

… die Rams Defense – vollgestopft mit Pass Rushern – bis Woche 6 nur 1 Sack zustande bringt. Mit Chris Long hatte man zwar einen guten Mann schon früh in der Saison verloren, dennoch sollten Spieler wie Robert Quinn, Aaron Donald und Michael Brockers mehr Druck ausüben können, als sie es momentan tun. Das Talent ist auf jeden Fall vorhanden. Da es nicht an den Spielern liegen kann, muss es daran liegen wie sie eingesetzt werden, und da liegt wohl der Hund begraben. Gregg Williams ist bekannt als ein sehr blitzfreudiger Coordinator, da aber gegnerische Offenses den Ball gegen einen Blitz immer schnell loswerden, wird die Effizienz seiner besten Spieler an der D-Line gemindert und Löcher im Defensive Backfield geöffnet. Mehr 4-Man-Rushes, wie letztes Jahr – das müsste das Rezept sein.

… man schon zum x-ten Mal keine zwei konstanten Halbzeiten spielen kann. So wie gegen die Eagles die erste Halbzeit verschlafen wurde, so gut hatte man gegen die 49ers begonnen. Turnovers in der Defense und solide, effiziente Drives mit der Offense ließen Hoffnung auf einen “Upset” aufkommen. Doch 20 Sekunden vor der Halbzeitpause begannen die Probleme: Janoris Jenkins hatte unverständlicherweise auf eine kurze Täuschung von Brandon Lloyd gebissen und verschuldete somit einen 80yd-Touchdown. Danach war vom Rams-Team nichts mehr zu sehen – schade.

… auch noch in Woche 6 die Unkonzentriertheit das Spiel der 49ers beherrscht. St. Louis war in der ersten Hälfte gut – keine Frage – dennoch profitierten sie stark vom Unvermögen der 49ers, vor allem in der Offense. Vernon Davis war nach seiner Verletzungspause ein Fremdkörper in der Offense, was er mit einigen False Starts und Drops bewies. Aber auch sonst wurden einige pre-Snap-Strafen begangen und Colin Kaepernick hatte große Probleme mit der Präzision. Hätten die Rams noch mehr Kapital aus den Fehlern der 49ers geschlagen, und hätte Janoris Jenkins den Gästen kein Geschenk zum munter werden gegeben, wer weiß wie die zweite Hälfte verlaufen wäre.

 

Bence

@SpenceLukacs

Philipp

@PhiFro51

 

Recap Woche 6 – Wer hätte gedacht, dass…