Die NFL-Saison steht vor der Tür, und ich -wie jeder andere NFL-Fan weltweit- warte sehnsüchtig auf den Startschuss. Als begeisterter Zuschauer stellt man sich jedoch schon im Voraus die Frage, was denn dieser Saison den Stempel aufdrücken wird. Voriges Jahr war es die Dominanz der Seahawks-Defense und die Rekord-Saison von Peyton Manning, das Jahr davor der Aufstieg eines Joe Flacco bzw. Colin Kaepernick – für jede Saison lassen sich wohl mehrere wichtige Ereignisse bzw. Trends finden, die signifikante Folgen für den Ausgang der NFL haben.

Nun habe ich es mir als selbsternannter NFL-Analyst/Analytiker zur Aufgabe gemacht, hiermit das Augenmerk der Leser/innen auf drei Bereiche der NFL zu richten, die möglicherweise spiel- und saisonentscheidend sein könnten.

 

Die Referees und die National Flag-Football League:

Sollten einige von euch die NFL Preseason verfolgt haben, so wird wohl den meisten das allgemeine Flaggenmeer in Erinnerung geblieben sein. Defensive Holding, Illegal Contact, Illegal Use of Hands und Offensive Pass Interference waren, nebst der bereits perversen Auslegung von Roughing the Passer, im Fokus der Referees. Jeder auch nur so winzig kleine Kontakt außerhalb von 5 Yards, wurde sofort mit einer Strafe geahndet, auch wenn dieser keinerlei Auswirkungen auf den Verlauf des Spielzugs hatte. Genauso wurde bei allen anderen oben genannten Fouls vorgegangen.
Das Resultat: Spiele, die sich teilweise der vier-Stunden-Marke näherten und kaum vorhandener Spielfluss. Abgesehen davon, hatten Defenses nun noch weniger Möglichkeiten gute Quarterbacks und Wide Receiver zu verteidigen.

Meiner Meinung nach wird sich dieses Spektakel nicht bis in die Regular Season fortsetzen, aber wer weiß das schon so genau? Über 50 Punkte pro Spiel? Viele Highlights? Ein Traum für alle RedZone-Channel-User und allgemeine NFL-Fans. Für „Hardcore-Fans“ und Fans des defensiven Football bleibt da kein Platz. Genauso würden Teams, die ohne explosive Offense auf eine solide Defense gebaut haben, wohl relativ schnell aus dem Playoff-Rennen geworfen werden.

Gefährliche Hits gehören verboten, aber dermaßen kleinkariert darf man in einer Kollisionssportart nicht sein. „Defense wins championships“ war einmal; das Zeitalter der Offenses ist angebrochen. Nun liegt es an Roger Goodell und den Herren in schwarz-weiß, dies nicht ausarten zu lassen.

Sollte der Status quo der Preseason bewahrt werden, so ist das möglicherweise der Trend, der die NFL-Saison 2014/15 prägt…

 

(Den restlichen Beitrag schreibe ich in der Hoffnung, dass das Regelwerk ähnlich wie 2013 angewandt wird.)

 

AFC: Alles bleibt beim Alten oder kehrt zum Alten zurück …

Jedes Jahr versuchen die Teams aus dem NFL-Mittelfeld den Anschluss an die Spitze der Liga zu finden, und doch scheitern die Meisten immer und immer wieder. Dieses Jahr wird meiner Meinung nach nicht anders verlaufen, als sonst. Falls also jemand diese Saison auf einen überraschenden Divisionssieger in der AFC tippen sollte, vergesst es.

Es ist das Jahr der Favoriten und der alten Bekannten. Konnten letztes Jahr noch Teams wie die Kansas City Chiefs und Cincinnati Bengals ihre „großen“ Divisionskollegen ärgern, so sehe ich heuer nicht wirklich große Wiederholungschancen.

Seit der Eröffnung der Division im Jahr 2002 machen sich die Pittsburgh Steelers und Baltimore Ravens den AFC North-Titel unter sich aus. Bloß alle 4 Jahre hatten die Bengals die Nase vorn (2005, 2009, 2013).
2014 wird nicht anders, es kehrt zum Alten zurück.

Die AFC West hat eine ähnliche Serie zu bieten: seit 2004 kam der Divisionssieger bloß ein einziges Mal nicht aus San Diego oder Denver. Ich erwarte einen ähnlichen Kampf, wobei Denver als haushoher Favorit ins Rennen geht.
2014 wird nicht anders, es kehrt zum Alten zurück.

In der AFC South haben wir ein interessantes Bild. Seit 2003 mussten die Indianapolis Colts nur 3 Mal den Titel an ein anderes Team abgeben. Die Saisonen 2011 und 2012 tanzen etwas aus der Reihe, haben aber an sich einfache Erklärungen, nämlich die Peyton Manning Verletzung 2011 und das darauffolgende Rookie-Jahr eines Andrew Luck. Mit einem gesunden, verfügbaren Franchise Quarterback sind die Colts in der AFC South so gut wie unschlagbar, ansonsten stauben die Houston Texans ab.
2014 wird nicht anders, es bleibt beim Alten.

Bleibt nur noch die AFC East; aber die ist leider relativ langweilig. Die New England Patriots gewannen seit 2003 ZEHN(!!!) Mal die Division. Bloß Tom Brady’s Knieverletzung unterbrach 2008 die perfekte Serie.
2014 wird nicht anders, es bleibt beim Alten.

 

Wie man sieht, gibt es seit geraumer Zeit nur 6-7 Teams, die in der AFC an der Spitze stehen. Keine der restlichen 10-11 Mannschaften hat sich auch nur im Entferntesten an eben jene herangearbeitet. Die Playoff-Plätze sind praktisch schon im Vornherein vergeben, im Kampf um die Platzierungen bzw. das Erstrunden-Bye zählt jeder Sieg. Altbekannte Größen wie Peyton Manning, Tom Brady, Philip Rivers und Ben Roethlisberger kämpfen, gegen mittlerweile auch gut beschriebene Blätter wie Joe Flacco, Andy Dalton und Andrew Luck. Wer bedeutende AFC-Matches sehen will, soll einschalten wenn eben jene 6-7 Teams untereinander spielen.

Fazit: Die Dominanz der „großen“, „bekannten“ Teams: Das Markenzeichen der AFC 2014? Überraschungen wären, nun ja, überraschend.

 

NFC: Oder inwiefern Defense doch noch zählt:

Zu Beginn möchte ich eines vorausschicken: In der NFC scheint die Philosophie herumzugeistern, eine durchschnittliche Defense sei gut genug. Einzig und allein die NFC West scheint sich dagegen zu sträuben und könnte deshalb von Kapitel 1 dieses Blogposts am härtesten getroffen werden; aber davon wollen wir nicht ausgehen.

Schaut man sich die einzelnen Divisions an, so ist von vielen großartigen Kämpfen um die Playoffs auszugehen, einzig die NFC South scheint einen großen Favoriten zu haben. Alle anderen Divisions sind wohl, wie die meisten NFC-Receiver: nämlich „wide open“.

Beginnen wir mit der NFC North. Die Favoriten, nämlich Green Bay Packers, Chicago Bears und Detroit Lions, haben etwas gemeinsam, nämlich unterdurchschnittliche Defenses und unfassbar explosive Offenses.

Die NFC East hat ein ähnliches Problem, jedoch auf etwas niedrigerem Niveau. Die allgemein durchschnittlichste Division könnte die am härtesten Umkämpfte der ganzen NFL werden. Auch hier hat man von guter Defense, schon lange nichts mehr gehört.

Auf dem Papier hat die NFC South, wie bereits erwähnt, einen haushohen Favoriten. Die New Orleans Saints scheinen mit Abstand das beste Team der Division zu sein. Doch auch hier gilt es eines zu bedenken: Sollte die Defense der Atlanta Falcons in der Lage sein, die Saints Offense zu stoppen, so hat man auf einmal einen Titelanwärter dazugewonnen.
Randnotiz: Die Tampa Bay Buccaneers haben zwar als Team viel Potenzial, die Quarterback-Position ist aber leider nicht gut genug besetzt, sodass kaum mehr als ein Kampf um die Wild-Card-Plätze möglich zu sein scheint.

Kommen wir nur zu der einzigen Division der NFC, die es schafft mit guten Defenses zu überzeugen, der NFC West. Hier bahnt sich nach der Verletzung von Sam Bradford ein heißer Zweikampf um den Titel an. Die San Francisco 49ers und die Seattle Seahawks haben die Zügel in der Hand und werden die Division wohl unter sich ausmachen. Auch hier hat die bessere Defense aller Voraussicht nach die Nase vorne.

Allgemein lässt sich sagen, dass die NFC einiges kompetitiver ist, als die AFC. Waren es in der AFC bloß 6-7 Teams, die Chancen auf die Playoffs haben, so sind es hier mindestens 9-10; und so komisch es klingen mag, die meisten dieser Plätze werden von den Leistungen der jeweiligen Defenses bestimmt:
Können die 49ers Russell Wilson besser verteidigen als die Seahawks Colin Kaepernick?
Kann sich eine Unit in der NFC East von den anderen absetzen?
Stolpert Drew Brees möglicherweise über eine Defense in der NFC South?
Und zu guter Letzt:
Die beste Defense der NFC North (abgesehen von den Vikings) gewinnt wohl die Division.
Das Zeitalter der Defenses ist praktisch vorbei, doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie keine Rolle mehr spielen.
Beim Beobachten der NFC gehört ein Augenmerk auf Defense-Units gelegt, die sich möglicherweise verbessert haben, denn diese könnten es unter Umständen schaffen, ihr Team in die Playoffs zu führen. Ein einziger erzwungener Punt, könnte im Zeitalter der explosiven Offenses zwischen Sieg und Niederlage entscheiden.

Fazit: Comeback der Defenses? Nein… Aber sie gewinnen wieder an Bedeutung. Eine einzige stark verbesserte Unit könnte das Schicksal der gesamten NFL-Saison 2014 beeinflussen.

 

Natürlich kann auch ich nicht vorhersagen, welche Spieler und Teams heuer Schlagzeilen schreiben werden. Ich wollte euch Lesern nur ein paar Ideen liefern:

Vielleicht wird Richard Sherman aufgrund der neuen Regelungen ja der am häufigsten „geflagte“ Spieler in der NFL -> Verheißt nichts Gutes für die Superbowl-Champions von 2013.

Man stelle sich vor die Colts gewinnen ihre Spiele gegen Broncos, Patriots, Ravens UND Steelers -> Klingt nach einer guten Saison mit Potenzial in den Playoffs.

Oder man stelle sich vor Aaron Rodgers hätte in den Playoffs auf einmal eine Top-10 Defense hinter sich…

Ich kann den Beginn der Regular Season kaum erwarten.

 

Bis dahin, danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

Philipp

Kick-Off der NFL Season 2014 – Was eine Season beeinflusst